Damals

... Familienurlaub '65 ...

Für unsere Mütter und Väter

Ich liebe alte Filme – solche, die vom Leben erzählen, von vergangenen Zeiten. Sie machen Geschichte greifbar, lebendig.

Man darf die Zeit miterleben, mit dem Vorteil, dass man sie nicht durchleiden muss – man bleibt in sicherer Entfernung.

Im TV läuft nebenher »Tadellöser & Wolff«. Walter Kempowskis Erinnerungen, 1975 von Eberhard Fechner verfilmt. Meine Frau wendet sich ab: Immer dieses alte Zeug! Man könne doch auch mal was ‚Frisches‘ anschauen. Bitte sehr, von mir aus!

Obwohl … nein, eigentlich nicht. Ich liebe Erzählungen, die in der Vergangenheit spielen: »Jauche und Levkojen«, »Jokehnen«, »Nirgendwo ist Poenichen« – so in der Art.

Vielleicht liegt es daran, dass ich Filme mit guten Dialogen schätze. Oder originellen Sprüchen wie »Gut dem Dinge!« oder »Ansage mir, frisch!« – Herrlich antiquiert, das. Wer redet heute noch so?

Einer schaffte es in meiner Familie zum Running Gag: Vater Kempowski hatte Gas abbekommen – damals, vierzehnachtzehn, vor Ypern. Mehrmals täglich befragte er die Familie zum Zustand seines Teints. Morgens kam es deshalb vor, dass mein Vater nach dem Rasieren sein Kinn vorstreckte und fragte:

»Was macht meine Haut?«

»Priemig, priemig!«, lautete die korrekte Antwort.

Wenn auch manche Menschen es bestreiten werden  – allen voran Frau & Tochter – ich höre gerne zu. Ich liebe Geschichten, die ganz nebenbei Geschichte aufleben lassen. Das erinnert mich an Zeiten, als ich noch jung war.

Schon als Kind drängte ich die Großeltern ständig, aus ihrem Leben zu erzählen. »Junge«, beschwerte sich mein Vater in seinen letzten Tagen. »Du fragst einem ja ’nen Wurm aus dem Darm!«

Und dann erzählten sie von ihrer Jugendzeit, von der »schweren Zeit« – vom Krieg, vom Wiederaufbau: meine Oma Frieda, mein Opa (Paul Georg Neumann), meine Mutter Elli Irmgard – und insbesondere mein Vater, Gerhard.

Genau genommen hieß er Hans Gerhard. Aber benutzt hat er seinen ersten Vornamen nie.

Ich war ein Vaterkind. Mein Bruder Norbert war Mamas Liebling, ich war der Papa-Sohn.

Mein Vater erzählte völlig unbefangen von der Kriegszeit – offen, ohne Schuldgefühl.

Er war Deutscher, also wurde er irgendwann Soldat – right or wrong, my country!

»Das war damals so«, meinte er. Man wurde nicht lange gefragt. Außerdem: das einst große Deutschland war nach dem ersten Krieg bettelarm. Besonders im Osten. Dort war man zudem noch abgetrennt von Rest-Deutschland.

»Und dann kommt da einer, der den Menschen die Hoffnung gibt, dass alles wieder besser werden wird.«

Ich solle mir vorstellen, mir würde dauernd vorgebetet, feindlich gesinnte Menschen seien schuld daran gewesen, dass Deutschland den Krieg (WW-I)  verloren hätte und arm wurde! In der Schule würde einem ständig gesagt, der Führer sorge nun dafür, dass alles wieder gut würde, dass Deutschland in der Welt wieder angesehen sein würde.

Propaganda wirke auf einfache Menschen wie der sprichwörtliche stete Tropfen, der den Stein höhlt. Irgendwann gäbe selbst Granit nach – und junge Menschen seien da eher Kalkstein. Nicht widerstandfähig, leicht form-, verformbar.

So fragte und fragte ich. Irgendwann erzählen dein Vater und deine Mutter davon, wie sie dem Tod manches Mal nur knapp entkommen sind.

Meine Mutter bekam Diphterie. Als junges Mädel, mitten im Krieg. Die Krankheit lässt ihre Opfer buchstäblich ersticken.

Wesel wurde schwer bombardiert. Als wäre die Krankheit nicht schon tödlich genug gewesen. In der Nacht fielen die Bomben. Das Krankenhaus hatte zwar das rote Kreuz auf dem Dach. Das Kriegsrecht schützt solche Einrichtungen, aber konnte man darauf vertrauen? So zielgenau waren Bombenwürfe damals dann doch nicht. Erst recht nicht bei Nacht.

Meine Mutter war bettlägerig, nur mit der Hilfe anderer Kranker konnte sie in den Keller gelangen. Schwerstkranke waren nicht transportfähig, sie mussten zurückgelassen werden.

Elli Irmard Neumann hatte Glück. Sie überlebte Diphterie und Bombenhagel. Bei Kriegsende war Wesel zu 97 % zerbombt.

Irgendwann wurden meine Oma und meine Mutter wegen der Kriegslage nach Hannover-Pattensen  evakuiert. Der Krieg holte sie trotzdem ein – Hannover geriet unter heftiges Bombardement.

Meine Mutter hatte schnell Freundschaft mit einem gleichaltrigen Mädel im Nachbarhaus geschlossen. Die Mädchen suchten gegenseitigen Trost und verbrachten die Bombenangriffe meist gemeinsam im nahen Keller der Freundin.

An einem Tag bestand meine Oma darauf, dass ihre Tochter bei ihr bliebe. Alles Bitten und Betteln half nichts, meine Mutter musste im eigenen Luftschutzraum ausharren.

Es war ein schwerer Bombenangriff. Der Boden erzitterte unter den schweren Explosionen. Von der Decke fielen Putz und Trümmer und bedeckten die verängstigten Menschen mit Staub und Schmutz.

Gefangen wie Tiere im Käfig harrten Tochter und Mutter aus. Irgendwann endete die Hölle und man wagte sich hinaus.

Das Nachbarhaus hatte einen Volltreffer erhalten. Im Keller der Freundin hatte niemand überlebt …

Mein Vater war Flieger, ausgebildet als Jagdbomber-Pilot einer Ju-88. Als er mit der Ausbildung fertig war, konnte man nicht mehr fliegen.

Der Feind hatte die absolute Luftüberlegenheit und bombte mit schöner Regelmäßigkeit die Rollbahn kaputt. Die Maschinen selbst standen nicht in den Hangars, sondern getarnt an den Rändern des Flugfelds. Die hatte man, sobald der »Kuckuck rief«[1], dorthin in Sicherheit verbracht und getarnt.

Flugzeuge hatte man also noch, Flugbenzin auch – nur eben keine Start- und Landebahnen. Hatte man die Bombentrichter endlich wieder aufgefüllt, kamen bereits die nächsten Feindflieger.

Eines Tages kamen die Feindflieger so schnell, dass es keine Vorwarnzeit gab. Mein Vater lief gerade um die Ecke eines Hangars, als wenige Meter entfernt eine Bombe aufschlug und detonierte. Die Wand des Hangars rettete ihm das Leben.

Kurze Zeit darauf wurde die Einheit aufgelöst. Aus Piloten wurden Bodensoldaten. Ein Offizier stellte sich vor die angetretene Truppe: »Kameraden – «

Die ostpreußische Heimat sei in Gefahr und der Führer erwartete, dass die Soldaten diese mutig verteidigten! Innerhalb einer Stunde war die Kaserne leer. Mein Vater war just zu dieser Zeit zu einem Dienstgang abkommandiert. Als er zurückkehrte, fand er niemanden mehr vor.

Von seinen Kameraden sah er keinen wieder.

Er wurde zur Westfront abkommandiert, nach Belgien. Dort war er Truppführer eines letzten Aufgebots, aufgefüllt mit blutjungen Menschen. Einem Jüngling trug er die Ausrüstung, inklusive mehrerer Panzerfäuste: „Gib her Junge, das Zeug ist doch viel zu schwer für dich!“ – Man verschanzte sich in einem Straßengraben, im Rücken ein Weizenfeld.

Dann kamen die Panzer.

Man sehe die Leuchtspurgeschosse auf sich zukommen, erinnerte sich mein Vater.

Nein, Angst habe man nicht, versichert er, nur gespannte Neugier: Was passiert jetzt? Die Nerven seien aufs Äußerste sensibilisiert. Bloß in Deckung bleiben, sich unsichtbar machen!

Der Lärm der Panzer wird immer lauter. Der Boden, die Luft vibrieren.

Unglaublich, dass man keine Angst verspürt. Man ist völlig klar, es regiert die Vernunft. Die Art, die einen überleben lässt.

Irgendwann obsiege die Pflicht. Über die Vernunft. Oder die Scham: Verdammt, du bist zum kämpfen hier, du musst dein Land verteidigen! Du willst schließlich kein Feigling sein.

Man hebt den Kopf und da steht er, der Panzer: graugrün und riesig – unbesiegbar! Er musste vor der Panzersperre halten.

Du nimmst die Panzerfaust und zielst. Eigentlich erübrigt sich das Zielen, das Riesenteil steht knapp drei Meter vor dir.

Du drückst ab und das Rohr faucht kurz auf. Dann ein trockener Knall. Du gehst in Deckung. Sekunden später eine große Detonation – Stacheldraht und anderes Zeug fliegen dir um die Ohren. Überall Flammen und Rauch!

Du hast deinen Job erledigt, jetzt schnell weg!

Du springst aus dem Graben und rennst vorbei am Maisfeld, dann nach links. Wohin bloß? Da hörst du ein Geräusch. Von der anderen Seite kommt ein Soldat. Er hebt die Waffe und du hörst ein Tack-Tack. Gleichzeitig spürst du einen Schlag an der Wade. Ganz kurz nur, tut gar nicht weh.

Du lässt dich fallen und spielst ‚toter Mann‘.

Jetzt bloß nicht atmen, und wenn, dann nur ganz flach. Lieber Gott, lass den anderen bitte nicht nochmal draufhalten. Ich tät’s ja.

Gott nochmal, denk doch jetzt nicht so was! Du bringst den anderen nur auf dumme Gedanken.

Glück gehabt, der andere spart sich die Munition. Hat offenbar noch viel vor damit. Guter Mann!

Mein Vater riskiert ein Blinzeln und sieht, dass der Soldat in die andere Richtung abdreht. Puh. Soll man liegenbleiben, sicherheitshalber?

Zum ersten Mal spürt er den Schmerz. Sch***, das brennt! Etwas Warmes sickert ins Hosenbein. Mist, denkt er, die Hose ist nagelneu. Zum ersten Mal in diesen Scheißkrieg hatte er neue Sachen bekommen. Ganz zum Schluss hatte man offensichtlich alle zurückgehaltenen Reserven freigegeben. Für den Endsieg, ha!

Ein weiteres Geräusch alarmiert seine Sinne. Schritte kommen auf ihn zu. Die Angst kriecht zurück ins Herz.

Nicht atmen, du bist tot!

Kräftige Hände drehen ihn um. Man untersucht sein Bein. Er erkennt weiße Armbinden mit roten Kreuzen. Denen kannst du nicht ernsthaft vorspielen, tot zu sein – das ist doch peinlich! Er stöhnt auf, so als würde er gerade wach.

Die Kameraden von der anderen Feldpostnummer wirken harmlos, fast besorgt. Das Gefühl der Sicherheit schwindet in dem Moment, als der eine ein Messer zückt.

Jetzt geben sie dir den Rest, durchzuckt es ihn. Mit ‘nem Messer! Klar, spart Munition.

Der Sani setzt die Klinge am Hosenbein an. Ihm dämmert, dass sein letztes Stündlein noch nicht eingeläutet ist. Der Sani will nur die Hose aufschneiden.

Hey, die ist neu!

Er hatte sie gerade mal eine Woche. Gut, jetzt hat sie ein Loch, – genaugenommen sind es zwei, es war ein glatter Durchschuss – aber muss man deswegen das gute Teil komplett ruinieren?

Mein Vater deutet an, dass er das Hosenbein aufkrempeln will und so geschieht es. Vaters Krieg ist vorbei, Leben und Hose gerettet!

Später, am Verbandsplatz, gibt es sogar was zu essen und zu trinken. Unvermittelt setzt ein Bedürfnis ein: Man(n) muss mal. Groß! Aufregung schlägt nun mal auf den Darm.

Es gibt nur provisorische Latrinenlöcher. Mit einem kaputten Bein sind Kniebeugen aber nicht zu machen. Ein anderer Verwundeter bietet seine Hilfe an. Ein Kanadier. Das Gesicht ist komplett bandagiert. Ob das einer aus dem Panzer ist? Der Panzer, den mein Vater hochgejagt hatte?

Der Kanadier reicht meinem Vater seine Hände. Er hält ihn fest und sicher. Der Deutsche geht in die Knie. Vor wenigen Minuten hätte man sich noch gegenseitig getötet …

Man kann sagen, dass mein Vater in seinem Leben ein gerüttet Maß Glück besaß – besonders im Krieg.

Beispielsweise bei einem seiner ersten Alleinflüge: er hatte gerade einen Flug mit seinem Fluglehrer beendet. Der Ausbilder beauftragte ihn, nach dem Mittagessen einen Alleinflug zu unternehmen. »Ich bin verhindert. Denken Sie daran, vorher meinen Fallschirm aus meinem Sitz zu nehmen!«, bläute er ihm noch ein.

Gleich nach dem Mittagessen flog mein Vater los.

Souverän hob er ab und gewann gleichmäßig Höhe. Dann eine ‚Fassrolle‘. Dabei dreht man Flugzeug in einer rotierenden Bewegung um seine Längsachse.

Es machte »Plopp« – ein Gegenstand fiel aus dem vorderen Sitz: der Fallschirm. Sch… – den hatte er völlig vergessen.

Schnell wurde das Paket klein und kleiner. Sofort drückte mein Vater nach und ging in einen kontrollierten Sturzflug. Das Teil jetzt bloß nicht aus den Augen verlieren!

Vom Flugplatz aus sahen die anderen Ausbilder einen vermeintlichen Absturz in der berüchtigten Todesspirale. Jeder erwartete schon den üblichen Rauchpilz nach einem Aufprall.

Doch da stieg die Maschine wieder empor und nahm Kurs aufs Flugfeld.

Kurz darauf setzte mein Vater zur Landung an. Was denn los gewesen sei. Das sei zu viel Spaß gewesen für einen Anfänger.

Kleinlaut gestand mein Vater seinen Lapsus. »Na, dann melden Sie sich mal beim Alten!« –

Der ‚Alte‘ war ein scharfer Hund, der hätte meinen Vater sofort vom Lehrgang abgelöst. Was gleichbedeutend gewesen wäre mit einer Strafversetzung an die Front – Ostfront!

Der Alte war nicht da, Kurzurlaub oder so was. Sein Vertreter war das genaue Gegenteil. In dessen Ausbildung sei ihm etwas Ähnliches passiert, so die Legende.

»Sie schnappen sich jetzt Ihre Gruppe, einen Kübel und einen LKW und dann machen Sie sich auf die Suche!«

Ein mehr als dankbarer Gefreiter Gottaut meldete sich ab und machte sich auf die Suche.

Im ersten Ort bestimmte der Truppführer, dass man sich in der Ortsschenke erst einmal druckbetanken müsse. Gegen alle erbitterten Proteste meines Vaters wurde sein Vorschlag angenommen.

Während die anderen sich am Gerstensaft labten – es war wohl ein heißer Sommertag –, befragte mein verzweifelter Vater die Wirtin, ob in der Nähe vielleicht ein Fallschirm niedergegangen sei? Nicht so ein aufgeblähter, unter dem ein Mensch hing – nein, eher so was wie ein Paket.

Ich weiß, es klingt unglaublich, aber die gute Frau antwortete: »Ja, bei meinem Nachbarn ist vorhin so ein Paket runtergefallen. Direkt in seinen Garten!«

Man kann sich kaum vorstellen, wie ungläubig und erleichtert mein Vater gewesen sein musste. Sofort ging er rüber zum Nachbarn. Der war nicht wenig enttäuscht, denn »ich habe das für ein Geschenk des Himmels gehalten! Meine Tochter heiratet nämlich demnächst.« – Fallschirmseide rettet nicht nur Leben, sie eignet sich auch wunderbar für Hochzeitskleider. Daraus wurde jetzt nix.

Gefeiert wurde trotzdem – schließlich musste sich mein Vater für seine Rettung bei seinen Kameraden erkenntlich zeigen.

Ich denke, trotz all seiner Sparsamkeit hatte er damals gerne einen ausgegeben. Schließlich hatte dieser wiedergefundene Fallschirm (und der Zufall) meinem Vater das Leben gerettet. Mein alter Herr war sich da sicher. Ich auch.

An der Ostfront war der Blutzoll erheblich höher als im Westen. Von dort kamen nur wenige zurück. Die letzten 1956.

Ein Jahr später wurde ich geboren. Ohne all die glücklichen Fügungen hätten sich meine Eltern nicht kennengelernt und mich gäbe es nicht. Die Linie nach mir auch nicht …

Also Paps, wo immer du jetzt sein magst, du hattest ein langes Leben. 97 Jahre wurdest du. Du hattest ‚Hein mit der Sense‘, dem alten Schnitter, manche Nase gedreht. Selbst mit neunzig, als du kopfüber die steinerne Kellertreppe ins Gewölbe eines Reutlinger Weinlokals hinunterstürztest, hattest du Glück im Unglück!

Jeder andere hätte sich das Genick gebrochen. Du wachtest auf, blutüberströmt, schwer verletzt – und deine einzige Sorge galt deinem Pullover: »Nicht aufschneiden!«, waren deine ersten Worte an die Retter. Manche Dinge ändern sich nie. Ob Hose oder Pullover – wär‘ doch schad um das gute Teil.

Man mag darüber schmunzeln.
Man kann darin aber auch Bescheidenheit erkennen – das Bewahren von Werten. Eine solche Haltung dokumentiert Bodenhaftung. Hier ist jemand, dem man Dinge anvertrauen kann.

Denn wie man sieht, ist vieles im Leben unsicher und dem Zufall überlassen. Und wie tröstlich ist es, wenn Dinge trotzdem ein glückliches Ende finden.

Früher war vieles nicht besser, nur knapper. Tatsächlichen Mangel kennt man heute kaum noch. Außer vielleicht dem an Bescheidenheit.

Vielleicht sollten wir heute öfter dankbar sein und uns dort zurücknehmen, wo wir fordern.


[1] Der Kuckucksruf war im Zweiten Weltkrieg das offizielle akustische Warnsignal im Radio und Drahtfunk, das die Bevölkerung und das Militär vor herannahenden feindlichen Bomberverbänden warnte.
Wenn die Luftraumüberwachung feindliche Flugzeuge sichtete, wurde das laufende Radioprogramm des Großdeutschen Rundfunks unterbrochen. Statt Musik ertönte ein markantes, mechanisch erzeugtes „Kuckuck, Kuckuck“.
Reaktion am Flugplatz: Für das Bodenpersonal und die Flieger bedeutete das Signal höchste Alarmbereitschaft. Flugzeuge wurden sofort aus den offenen, ungeschützten Hallen und der Mitte des Rollfeldes an den bewaldeten Rand oder in getarnte Splitterboxen geschoben. Dies verhinderte, dass die Maschinen bei einem plötzlichen Tieffliegerangriff oder Bombenabwurf auf einen Schlag zerstört wurden.

For Our Mothers and Fathers

I love old films — the kind that tell stories about life, about times long gone. They make history tangible, alive.

You get to witness another age unfold, with the advantage of not having to suffer through it yourself — you remain at a safe distance.

Tadellöser & Wolff is playing quietly on the television, Walter Kempowski’s memoirs adapted for the screen by Eberhard Fechner in 1975. My wife turns away. Always this old stuff! she says. Surely we could watch something “fresh” for once. Fine by me.

Although… no, not really.

I love stories set in the past: Jauche und Levkojen, Jokehnen, Nirgendwo ist Poenichen — that sort of thing.

Maybe it’s because I appreciate films with good dialogue. Or wonderfully old-fashioned turns of phrase like “Good unto the thing!” or “Announce me, fresh!” Magnificently antiquated. Who talks like that anymore?

One line from the series became a running joke in my family. Father Kempowski had been gassed during the First World War, near Ypres. Several times a day he would ask the family how his complexion looked.

So it sometimes happened that my own father, after shaving in the morning, would stick out his chin and ask:

“How’s my skin looking?”

“Primey, primey!” was the only acceptable answer.

Though some people in my family would deny it — my wife and daughter above all — I love listening. I love stories that quietly bring history back to life. They remind me of when I was young myself.

Even as a child I constantly pestered my grandparents to tell me about their lives.

“Boy,” my father complained, even in the last days of his life, “you’d question the guts out of a worm.”

And then they would talk.

About their youth. About the “hard years.” The war. The rebuilding afterward. My grandmother Frieda, my grandfather Paul Georg Neumann, my mother Elli Irmgard — and especially my father, Gerhard.

Strictly speaking, his name was Hans Gerhard. But nobody ever used the Hans.

I was a father’s boy. My brother Norbert was my mother’s favorite; I belonged to Dad.

My father spoke about the war without hesitation — openly, without guilt.

He was German, so at some point he became a soldier. Right or wrong, my country.

“That’s simply how it was back then,” he would say. Nobody asked you for long. Besides, after the First World War Germany had been destitute. Especially in the East, cut off from the rest of the country.

“And then someone comes along and gives people hope that things are going to get better again.”

Imagine, he told me, being told over and over that hostile outsiders were to blame for Germany losing the war and sinking into poverty. In school they kept saying that the Führer would make everything right again, that Germany would once more be respected in the world.

Propaganda worked on ordinary people like the proverbial dripping water hollowing out stone. Sooner or later even granite gives way — and young people, he said, are more like limestone. Easy to shape. Easy to deform.

So I kept asking questions.

And eventually your father and mother begin telling you about all the times they narrowly escaped death.

My mother contracted diphtheria during the war, still just a young girl. The disease suffocates its victims, literally.

Wesel was being heavily bombed at the time, as though the illness itself were not deadly enough. Bombs fell through the night. The hospital had a red cross painted on the roof. International law was supposed to protect such places — but could you trust that? Bombs were hardly precise in those days, least of all at night.

My mother was bedridden. Only with the help of other patients was she able to make it down to the cellar. The gravely ill could not be moved; they had to remain behind.

Elli Irmgard Neumann was lucky. She survived both diphtheria and the bombs. By the end of the war, ninety-seven percent of Wesel had been destroyed.

At some point my grandmother and mother were evacuated to Pattensen near Hanover because of the worsening war situation. But the war caught up with them there too. Hanover came under heavy bombardment.

My mother quickly befriended a girl her own age who lived next door. The two sought comfort in one another and usually spent the bombing raids together in the nearby cellar of her friend’s house.

Then one day my grandmother insisted her daughter stay with her. No amount of pleading helped; my mother had to remain in their own shelter.

It was a heavy raid. The ground trembled beneath the explosions. Plaster and rubble rained from the ceiling, covering the frightened people in dust and dirt.

Mother and daughter waited it out like trapped animals.

Eventually the inferno ended and they dared step outside.

The neighboring house had taken a direct hit.

No one in her friend’s cellar had survived.

My father was in the Luftwaffe, trained as a fighter-bomber pilot for the Ju 88. By the time he completed training, flying had become nearly impossible.

The enemy controlled the skies completely and bombed the runway with relentless regularity. The aircraft themselves no longer stood in hangars but were camouflaged around the edges of the airfield. Whenever “the cuckoo called,” they had to be rushed there and hidden.

So they still had planes. They still had fuel.

What they no longer had were usable runways.

And whenever the bomb craters had finally been filled in, the next wave of enemy aircraft would arrive.

One day the fighters came so quickly there was no warning at all. My father had just rounded the corner of a hangar when a bomb struck and exploded only a few yards away. The hangar wall saved his life.

Shortly afterward the unit was dissolved. Pilots became infantrymen.

An officer stood before the assembled troops.

“Comrades—”

East Prussia, he declared, was in danger, and the Führer expected his soldiers to defend it bravely.

Within an hour the barracks were empty.

My father had happened to be away on an errand at the time. When he returned, there was no one left.

He never saw any of those comrades again.

He was reassigned to the Western Front, to Belgium. There he became squad leader of one of the final desperate formations, filled out with boys barely old enough to shave. One youth struggled beneath the weight of his gear and several anti-tank launchers.

“Here, son,” my father said. “That stuff’s far too heavy for you.”

They dug into a roadside ditch, a wheat field at their backs.

Then the tanks came.

You could see the tracer rounds racing toward you, my father remembered.

No, he insisted, you didn’t feel fear. Only a taut curiosity: What happens now? Your nerves became razor-sharp. Stay down. Stay invisible.

The tanks grew louder. Ground and air vibrated.

Unbelievable, really, that there was no fear. Your mind stayed perfectly clear. Survival took over.

At some point duty triumphed over reason. Or shame did.

Damn it, you’re here to fight. You have to defend your country. You don’t want to be a coward.

You raise your head and there it is — the tank: enormous, gray-green, invincible. It had stopped before the tank barrier.

You pick up the Panzerfaust and aim.

Though aiming is hardly necessary. The thing is standing barely ten feet away.

You fire. The launcher spits flame with a sharp hiss, then a dry crack. You duck back down.

Seconds later comes a tremendous explosion. Barbed wire and debris fly through the air. Flames and smoke everywhere.

You’ve done your job. Now run.

You leap from the ditch and sprint past the wheat field, then cut left.

But where to?

Then you hear something.

A soldier appears from the other direction. He raises his weapon. Tak-tak. At the same instant you feel a blow against your calf. Brief. Hardly painful.

You collapse and play dead.

Don’t breathe now. Or only shallow breaths. Dear God, please don’t let him fire again. I would.

For God’s sake, don’t think things like that now. You’ll give him ideas.

Luck holds. The other man saves his ammunition. Apparently he still has plans for it.

Good man.

My father risked opening one eye and saw the soldier turning away.

For the first time he felt the pain.

Shit, that burns.

Something warm trickled into his trouser leg. Damn, he thought. The trousers are brand new.

For the first time in the entire war he had finally received new clothing. Toward the very end they had apparently released all the reserves they’d been hoarding.

For final victory. Right.

Another sound snapped his senses awake again. Footsteps approaching. Fear crept back into his chest.

Don’t breathe. You’re dead.

Strong hands rolled him over. Someone examined his leg. He saw white armbands with red crosses.

You can’t seriously pretend to be dead to medics. That’s embarrassing.

So he groaned, as though just regaining consciousness.

The men from the other field unit seemed harmless enough, almost concerned. The feeling of safety vanished the moment one of them pulled out a knife.

This is it, he thought. Now they finish you off. With a knife. Saves ammunition.

The medic placed the blade against the trouser leg.

Only then did it dawn on my father that his final hour had not, in fact, arrived. The man simply wanted to cut open the fabric.

Hey — those are new!

He’d had them barely a week. Sure, now they had a hole in them — strictly speaking two holes, the bullet had passed clean through — but did that really justify ruining perfectly good trousers?

My father gestured that he would roll up the leg himself.

And so he did.

My father’s war was over. His life — and his trousers — saved.

Later, at the aid station, they even gave him something to eat and drink. Then another need struck him quite suddenly: he had to go to the toilet. Badly.

Excitement does that to a man’s bowels.

There were only crude latrine pits. But with a shattered leg you can’t exactly squat. Another wounded soldier offered to help. A Canadian. His entire face was bandaged.

Could he have been one of the men from the tank my father had blown up?

The Canadian held out his hands and supported him steadily while the German lowered himself down.

A few minutes earlier they would have killed each other.

You could say my father possessed a remarkable amount of luck in his life — especially during the war.

Take one of his very first solo flights.

He had just completed a training flight with his instructor. The instructor ordered him to take the aircraft up alone after lunch.

“I’m tied up this afternoon,” he said. “And remember to remove my parachute from the front seat before you take off.”

Right after lunch my father climbed into the plane and departed.

He lifted cleanly into the air and steadily gained altitude. Then he performed a barrel roll.

Pop.

Something dropped from the front seat.

The parachute.

Damn — he had forgotten it completely.

The bundle shrank smaller and smaller below him. Immediately he nosed the aircraft downward into a controlled dive.

Don’t lose sight of it now.

Back at the airfield, the other instructors thought the plane had gone into the infamous death spiral. Everyone was expecting the usual plume of smoke after impact.

But then the aircraft climbed again and headed back toward the field.

Shortly afterward my father landed. What on earth had he been doing? That was far too much excitement for a beginner.

Sheepishly he confessed his mistake.

“Well then,” they told him, “you’d better report to the Old Man.”

The “Old Man” was notorious. He would have thrown my father out of flight training immediately — which effectively meant a punitive transfer to the Eastern Front.

The Old Man happened to be away on leave. His deputy was the complete opposite. According to legend, something similar had once happened to him during his own training.

“You grab your group, a bucket, and a truck,” he ordered, “and then you go looking for it.”

A deeply grateful Corporal Gottaut saluted and set off.

In the first village the squad leader decided they should fortify themselves with beer at the local tavern before beginning the search. Despite my father’s furious objections, the suggestion carried unanimously.

While the others enjoyed their lager — it must have been a hot summer day — my desperate father asked the innkeeper whether perhaps a parachute had come down nearby. Not the inflated kind with a man hanging beneath it, no — more like a package.

As unbelievable as it sounds, the woman replied:

“Why yes. Something like that landed in my neighbor’s garden earlier today.”

It is difficult to imagine how stunned and relieved my father must have felt. He immediately went to the neighboring house.

The man there was distinctly disappointed.

“I thought it was a gift from heaven,” he said. “My daughter’s getting married soon.”

Parachute silk, after all, makes beautiful wedding dresses.

Not this time.

They celebrated anyway. Naturally my father had to buy drinks for the comrades who had, in effect, saved him.

Despite all his thriftiness, I think he gladly paid that day. Because that recovered parachute — and sheer chance — had saved his life.

My old man never doubted it.

Neither do I.

The death toll on the Eastern Front was vastly higher than in the West. Very few returned from there. The last prisoners only came home in 1956.

A year later I was born.

Without all those strokes of luck, my parents would never have met. I would not exist. Nor anyone who came after me.

So, Dad — wherever you are now — you had a long life. Ninety-seven years. Time and again you slipped through the fingers of old Grim Reaper himself.

Even at ninety, when you tumbled headfirst down the stone cellar stairs into the vaulted basement of a wine tavern in Reutlingen, luck stayed with you.

Anyone else would have broken his neck.

You regained consciousness covered in blood, badly injured — and your first concern was your sweater.

“Don’t cut it open!” were the first words you said to the paramedics.

Some things never change.

Whether trousers or sweater — shame to ruin a perfectly good piece of clothing.

You can smile at that.

But you can also see something else in it: modesty. Respect for things of value. A kind of groundedness. The sense that here is someone you could trust with what matters.

Because, as life repeatedly shows us, so much is uncertain and left to chance.

And how comforting it is when things nevertheless find a happy ending.

The old days were not better — merely leaner. Real deprivation is something most people hardly know anymore.

Except perhaps the lack of modesty.

Maybe we should be grateful more often today — and demand a little less.

Vi preghiamo di pazientare ancora un po'.

Nog even geduld alstublieft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.